Rede von Herrn Oberbürgermeister Hans Schaidinger für die Fachtagung „Familienfreundlich im Betrieb – Chancen erkennen und nutzen“ am Mittwoch, 30. Januar 2008, 14.00 Uhr, im Salzstadl Anrede, ich freue mich, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind und begrüße Sie herzlich zur Fachtagung „Familienfreundlich im Betrieb - Chancen erkennen und nutzen.“ Wie Sie alle wissen, nimmt in Deutschland die Zahl der Geburten ab. Das ist eine Tendenz, der wir entgegenwirken möchten, denn Kinder bedeuten für eine Kommune Wohlstand, Wachstum und Zukunft. Im Familienatlas von 2005 wurde Regensburg noch als „klassische Durchlaufstation“ eingruppiert. Die Definition dieser Kategorie war, dass viele junge Menschen gerne in solche Städte kommen, um sich dort auf hohem Niveau Ausbilden zu lassen. Danach sammeln sie häufig noch die erste Berufserfahrung in solchen Städten. Aber wenn sie dann eine Familie gründen wollen, dann ziehen sie weg. Solch einen Verlust an Fachkräften können und wollen wir uns nicht leisten! Deshalb ist die Stadt schon vor Jahren tätig geworden und hat sich dafür eingesetzt, Regensburg familienfreundlich zu machen. Wie uns letztes Jahr der Familienatlas von 2007 bescheinigt hat, gehört Regensburg nun zu den „aufstrebenden Regionen“ die laut Prognose folgende Merkmale aufweisen. Ich zitiere: „Investitionen in Familie haben Priorität. Engagierte Städte und aufstrebende Landkreise nutzen die vorhandenen Kräfte, um junge Familien an die Region zu binden.“ Das zeigt: Die Zukunftsfähigkeit von Regensburg hängt wesentlich davon ab, ob Familien ein gutes und lebenswertes Umfeld geboten werden kann. Und Regensburg tut das! Wir haben ein gutes Potential in Regensburg. Wenn wir uns gemeinsam für Familienfreundlichkeit einsetzen, dann können wir es schaffen in Zukunft zu den Top Regionen für Familien zu zählen! bieten sie Raum für emotionale Zuwendung und die Erfahrung des Angenommenseins vermitteln sie Werte und Normen trainieren sie Rücksichtnahme, Gemeinsinn und Teamfähigkeit lehren sie Partnerschaft und Solidarität Familien bereiten vor: auf gesellschaftliches, nachbarschaftliches und vor allem auch berufliches Engagement. In Familien erlernen Ihre Nachwuchskräfte von Morgen Schlüsselkompetenzen. In ihren Familien finden Ihre Mitarbeiter den Ausgleich zur Berufstätigkeit und schöpfen neue Kraft und Energie für den Arbeitsalltag. Für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region ist Familienfreundlichkeit einer der wichtigsten Standortfaktoren.Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gibt regelmäßig den „Monitor Familienforschung“ heraus. Darin werden aktuelle Ergebnisse der Familienforschung klar dargestellt. In der Ausgabe Nr. 11 „Familienfreundlichkeit vor Ort“ vom Oktober 2007 wird deutlich aufgezeigt, dass der Nachwuchs an Fachkräften nicht der einzige Vorteil von Familienfreundlichkeit ist: Wenn Beschäftigte mit ihrem Familienalltag zu frieden sind und ihre Kinder in guten Händen wissen, dann wirkt sich das positiv auf ihre Arbeitsleistung aus: Sie sind sie leistungsfähiger und konzentrierter. Und in familienfreundlicheren Regionen gibt es auch eine deutlich stärkere Kaufkraft. Und das ist es doch, was einen zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort so attraktiv für Unternehmen macht . Das bringt unserer Region Innovationsdynamik und Wettbewerbsfähigkeit: Junge, qualifizierte, motivierte, leistungsfähige Fachkräfte und eine solide Kaufkraft. Von Seiten der Stadt unterstützen wir das soweit als möglich, um Ihnen einen wettbewerbsfähigen, zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort zu bieten. Mit unserer Familienpolitik machen wir Regensburg für Familien attraktiv und lebenswert. Regensburg soll ein Standort sein, der junge Fachkräfte anzieht und dauerhaft hält und der es den jungen Menschen ermöglicht ihren Kinderwunsch und ihre Vorstellung von Familien- und Berufsleben zu realisieren Deshalb wird Familienfreundlichkeit in Regensburg schon seit langem bewusst gefördert. So hat sich die Stadt schon1999 an einem Modellprojekt des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beteiligt, für „Familien- und Kinderfreundlichkeit in der Kommune“ beteiligt. Regensburg war dabei eine von insgesamt zehn Kommunen in der Bundesrepublik Deutschland und die einzige in Bayern. Im Jahr 2002 wurde das „Bündnis für Familie – Regensburg“ organisiert und zwei Jahre später schloss sich dieses Bündnis als eines der ersten Initiativen den „Lokalen Bündnissen für Familie“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an. Für eine familienfreundliche Kommune gibt es viel zu tun: Familien brauchen ein familienfreundliches Wohnumfeld Sie brauchen eine familienfreundliche Infrastruktur im Bereich der Kinderbetreuung, der Gesundheitspflege, der Beratung, der Frei- und Bewegungsräume und der sozialen und kulturellen Angebote Familien brauchen Zugang zu einem Arbeitsmarkt, der die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht und noch vieles mehr. Ich möchte Ihnen einige konkrete Beispiele aus Regensburg nennen: Es wurden neue Wohngebiete für Familien geschaffen, alte Gebiete in der Humboldtstraße wieder lebenswert gemacht, Spielplätze gebaut und Schulwegpläne erarbeitet. Als Anlaufstellen stehen den Regensburger Familien Familienzentren, Stadtteilprojekte, Jugendzentren, Beratungsstellen und ab Februar sogar ein Mehrgenerationenhaus zur Verfügung. Die Betreuungsplätze für Kinder wurden und werden kontinuierlich ausgebaut: So liegt die Versorgung mit Kindertagesstätten bei 100%. Die Zahl der Krabbelstubenplätze wurde von 1997 bis 2007 von 134 auf 376 erhöht. Zusätzlich wurden im Herbst 2007 von den unter Dreijährigen, 120 Kinder in Kindergärten und 127 bei Tagesmüttern betreut. Und selbstverständlich schaffen wir auch weiterhin Betreuungsplätze. Seit 1989 unterstützt die Stadt Regensburg finanziell und organisatorisch das Projekt Beratungsstelle „Frau und Beruf“ der Volkshochschule. Über 10 000 Frauen wurden seitdem darin gefördert, sich beruflich zu qualifizieren und ihrem Berufswunsch nachzugehen. Und seit 1991 gibt es den Margarethe Runtinger Preis für frauen- und familienfreundliche Maßnahmen in Betrieben, 26 hiesige Firmen wurden bis heute ausgezeichnet und drei ortsansässige Unternehmen mit den Bayerischen Frauenförderpreis honoriert. Und selbstverständlich haben wir auch als Arbeitgeber für unsere eigenen Beschäftigten Familienfreundliche Maßnahmen ergriffen. Die ersten Erfolge unserer Arbeit haben sich bereits gezeigt: Im Bereich der Kultur und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche gehört Regensburg laut dem Familienatlas 2007 zu Deutschlands Top Regionen! Die Zahl der neugeborenen Kinder ist in Regensburg in den letzen drei Jahren leicht gestiegen und auch die Arbeitsmarktbedingungen sind durch unsere Firmenansiedlungspolitik in Regensburg sehr gut. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,9% liegt Regensburg unter dem Bayerischen Durchschnitt. Allerdings ist es für viele Eltern immer noch eine große Herausforderung, Beruf und Familie zu vereinbaren. Wenn Sie ein attraktiver Arbeitgeber sein wollen, wenn Sie im immer stärker werdenden Konkurrenzkampf qualifizierte Fachkräfte gewinnen wollen, wenn sie Know-how und Erfahrung der Mitarbeiter im Betrieb halten wollen und unnötige Fehlzeiten und Fluktuationen vermeiden wollen, dann ermöglichen Sie es Ihren Beschäftigten die Balance zwischen Familie und Beruf zu ermöglichen. Davon profitieren dann sowohl Sie als auch die Familien. Doch wir wollen uns auf unseren Lorbeeren nicht ausruhen – sondern neue Kränze flechten. Politik, Wirtschaft und Bürgerinnen und Bürger gemeinsam können es schaffen, dass Regensburg zu einer Top Region für Unternehmen und für Familien wird. Und Sie können in Ihren Unternehmen durch eine entsprechende familienorientierte Personalpolitik wesentlich dazu beitragen. Deshalb freue ich mich heute ganz besonders über die zahlreiche Beteiligung an dieser Fachtagung. Ich hoffe, dass Sie aus den Vorträgen und Workshops viele hilfreiche Informationen und Ideen mitnehmen und freue mich schon auf ein Regensburg mit noch mehr familienfreundlichen Arbeitsplätzen. Lassen Sie uns gemeinsam langfristig die Potenziale von Familien erschließen, um Innovation und Wachstum für diese Region sichern.
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